Hi, I'm Nadine.

I am a visual designer &
illustrator, design writer and co-founder living in Berlin.

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Über den Wert von Designleistungen

27. Jul 2015

Im Großen und Ganzen schätze ich meine selbständige Arbeit sehr. Es gibt allerdings ein paar Sachen, die mich nach all den Jahren (elf um genau zu sein) immer noch stören, mal weniger, gerade mal wieder mehr: Preisverhandlungen.

Genau genommen sind die eigentlich gar nicht nötig. Ich habe einen festen Stunden-/Tagessatz, arbeite transparent und dadurch, dass ich das schon lange mache auch schnell, so dass es selten Überraschungen diesbezüglich gibt. Ich muss der Fairness halber sagen, dass ich auch wirklich viele Kunden habe, mit denen ich auf dieser Basis schon lange und gut zusammen arbeite. Aber manchmal kommen Aufträge eben nicht zustande, entweder wird das dann nett verpackt („Wir haben uns entschieden mit dem alten Designer weiter zusammen zu arbeiten“) oder manchmal auch direkter benannt („Wir haben jemanden gefunden, der billiger ist.“)

Dennoch gibt es offenbar besonders bei Design-Leistungen bei vielen potentiellen Kunden das Gefühl nicht genug Leistung für das Geld zu bekommen, das man bereit ist zu bezahlen. Ich verfolge seit einiger Zeit Diskussionen dazu im Netz und in einer Gründerinnen-Gruppe. Bei Fragen nach Kosten für Logos und wo man so etwas sehr günstig her bekommt, werden dort häufig designenlassen und 99designs empfohlen. Da sich in der Gruppe auch viele Designerinnen befinden, versteht sich von selbst, dass die Emotionen dort hoch kochen und heiß diskutiert wird, so wie eigentlich immer wenn man vor Designern das Wort Crowdsourcing fallen lässt. Die Argumente dazu drehen sich auf beiden Seiten im Kreis: Kann mir das nicht leisten, muss ja keiner mitmachen, man weiß ja nicht was man bekommt für sein Geld und am Ende sind die 500 Euro weg. (Ich möchte eigentlich nicht mehr das Bäcker und Brötchen Beispiel anbringen, aber das Video hier trifft es einfach zu gut).

g7-logo

Warum ich das hier gerade aufschreibe? Wegen dieses Artikels hier: G7-Logo kostete 80 000 Euro. Wie allzu häufig wird medial lediglich ein Ergebnis und ein Preis genannt, sicher nicht zufällig so angelegt, dass der Leser sich darüber schön echauffieren kann. Besonders ärgern mich dabei solche Sätze: „Unzählige Meetings von Grafikdesignern waren offenbar notwendig, um das Logo von der Idee bis zur Umsetzung zu verwirklichen.“

Offenbar??? Mit Sicherheit!
Denn Design, liebe Autoren, liebe Leser, ist immer ein Prozess. Design ist eben nicht ClipArts aus dem Internet fischen und zum Logo ummodeln. Design ist Ideen ausprobieren, verwerfen, aufgreifen, erweitern, präsentieren.

Und deswegen kostet ein Logo eben Geld. Ich möchte hier gar nicht so sehr ins Detail gehen, ob 80.000 Euro gerechtfertigt sind oder nicht, dafür kenne ich den Prozess viel zu wenig. Aber so viel sei gesagt: Für 200 Euro gibt es keinen Designprozess mit Ergebnissen, an denen man intensiv gearbeitet, vielleicht viel verworfen und auch ausprobiert hat. Design kostet Geld. Sorry, aber isso.

Ich empfehle dazu auch diesen Artikel von EdenSpiekermann: “It’s not the logo”, denn die Diskussion wird ganz besonders häufig auch bei Städtelogos geführt.