Hi, I'm Nadine.

I am a visual designer &
illustrator, design writer and co-founder living in Berlin.

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Gesellschaftsbilder

13. Jun 2016

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Copyright: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

Mit Bilddatenbanken verbindet mich eine kleine Hassliebe. Natürlich kommt man als Designer kaum daran vorbei und ich bin eigentlich auch froh, wie bequem das Handling heutzutage ist. Als ich meine Ausbildung Ende der 90er begann war es eine beliebte Azubi-Aufgabe aus gedruckten (!) Katalogen von Bilddatendatenbanken Bilder einzuspannen, um diese dann in Layouts einzusetzen. Vom komplizierten Lizenzhandling mal ganz abgesehen (häufig mussten die recht teuren Lizenzen jährlich erneuert werden, allerdings war es gar nicht mal so selten, dass die verantwortlichen Mitarbeiter dann nicht mehr im Unternehmen waren … New Economy Boom halt).

Inzwischen gibt es viele Datenbanken mit sehr durchwachsener Qualität. Denn die typischen Stockbilder mit ihrem höchst eigenen Charme sind nach wie vor fester Bestandteil (Ich habe jüngst zum Beispiel feststellen müssen, dass unbändige Freude und Headsets eng miteinander verbunden sein müssen, wenn man dem Bildmaterial glaubt).

An ganz besondere Grenzen stoßen sie aber dann wenn es um Bilder geht, die fernab bekannter Klischees sein sollen und – im Falle von Behinderungen – nicht den Fokus auf Mitleid setzen. Das ist vor allem im journalistischen Bereich ein Problem, denn man kann sich noch so viel Mühe geben, die richtige Wortwohl zu treffen, wenn das Bildmaterial dazu fehlt, wird die Sache nicht rund.

Ein neues Projekt der Sozialhelden, die mit Leidmedien schon ein ähnliches Projekt für Sprache gestartet haben, will diese Lücke nun schließen: Gesellschaftsbilder – ein Fotodatenbank, die neue Perspektiven auf die Gesellschaft zeigt. Dort sind Bilder für die redaktionelle Arbeit von Journalisten, Medienmachern und Bloggern zu finden, die Bilder jenseits von Klischees suchen. Themen dort sind z.B. Familie und Inklusion, Behinderungen, Mobilität, Alltag und Gesellschaft usw.

Die Bilddatenbank ist mit 300 Bildern noch recht überschaubar, deswegen freuen sich die Macher sehr über passende Fotospenden oder Unterstützung jeglicher Art. Es geht dabei nicht nur um Behinderungen, sondern durchaus auch um Themen wie z.B. Regenbogenfamilien. Also alles was Gesellschaft heute ist, nur eben noch nicht in Stockfotos abgebildet wird.

Also Fotografen: Her mit euren Fotos!

http://gesellschaftsbilder.de/

Youvo — You create. You volunteer.

24. Sep 2015

Manche Projekte sind Traum-Projekte. Das sind die Art von Projekten, die genau ins Herz treffen, weil sie inhaltlich etwas machen, das man aus vollem Herzen unterstützen kann. So ein Projekt möchte ich euch heute vorstellen: youvo — You create. You volunteer.

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Vor zwei Jahren schrieb mich Sebastian Schütz an. Er war damals noch Student der Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der UdK in Berlin und hatte mit Kommilitonen ein Semesterprojekt ins Leben gerufen, von dem sie so überzeugt waren, dass sie es gerne weiter ausbauen wollten. Die Idee war so einfach wie großartig, sie traf zumindest für mich persönlich einen Nerv. Es ging dabei um ehrenamtliches Engagement für Kreative. Das Ehrenamt hat in Deutschland eine große Bedeutung, jeder Dritte engagiert sich ehrenamtlich, sei es in Sportvereinen, sozialen Projekten oder – wie in der aktuellen Lage – in der Flüchtlingsthematik. Gerade dort sieht man sehr schön, wie schnell und wie groß ehrenamtliches Arbeiten auf die Beine gestellt werden kann und welche Stütze es in der Gesellschaft ist.

Oftmals scheitert es für viele (z.B. mich) dann allerdings an den Rahmenbedingungen. Freiwilliges Arbeiten erfordert häufig eine Regelmäßigkeit und damit auch einen Zwang, zu festen Zeiten and bestimmten Orten sein zu müssen, was für viele im Alltag einfach schwierig ist. Ich bewundere Freunde, die regelmäßig in Kindergärten vorlesen oder sich wöchentlich als Trainer einer Jugendmannschaft auf den Fußballplatz stellen. Für mich war das immer einer der Gründe, warum ich mich diesbezüglich nicht engagiert habe. Die Vorstellung fest an ein Projekt gebunden zu sein, engte mich einfach zu sehr ein mit dem Ergebnis, dass ich mich gar nicht einbrachte.

Und genau in diese Lücke stieß das Projekt, das mir Sebastian damals vorstellte: youvo – You create, you volunteer. Warum sollten Designer/Texter/Filmemacher/Konzepter nicht einfach das machen, was sie am besten können und zwar dort, wo es gebraucht wird: Bei kleinen und größeren sozialen Projekten, die oft selbst von Ehrenamtlichen ausgefüllt werden und somit meist keine finanziellen Mittel zur Verfügung haben, aber dennoch natürlich Werbung oder Marketing machen müssen, um ihre Zielgruppen zu erreichen oder Gelder zu akquirieren. Als Sebastian mir das Projekt damals vorstellte, fiel mir ein Zitat von Jessica Hische ein, die ich auf der TYPO 2012 interviewed habe und sie dabei nach ihrer Meinung zu Crowdsourcing Design Wettbewerben fragte. »Wenn man schon kostenlos arbeiten will« sagte sie »warum dann nicht für Charity-Projekte?«

Exakt! Und genau das bietet youvo an. Und zwar nicht auf Croudsourcing Basis, denn das ist eines der Prinzipien von youvo: Niemand soll ausgebeutet werden. Das youvo Team trifft eine genaue Vorauswahl der Projekte, prüft z.B. ob eine Gemeinnützigkeit gegeben ist und ob wirklich keine finanziellen Mittel vorhanden sind. Da youvo Stipendiaten des Social Impact Lab in Berlin sind und damit entsprechend gut vernetzt, gehen die passenden Projekte auch nicht aus.
Die Projekte werden dann auf der Plattform eingestellt und Designer können sich auf die Projekte bewerben. Ab da findet der Dialog dann direkt zwischen Auftraggeber und Designer statt. Die Zusammenarbeit ist immer Projektbezogen und man kann als Kreativer den Umfang, in dem man sich einbringen möchte, selbst festlegen.

So simpel, so einfach, so großartig.

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Da ich die Idee von Anfang an nicht nur gestalterisch sondern auch als »Heavy User« begleite, möchte ich an dieser Stelle mein erstes von vier Projekten vorstellen, das mich nach wie vor sehr begeistert. Gesucht wurde damals ein Corporate Design für »Letzte Hilfe-Kurse«, das fand ich zunächst einmal wegen des Namens spannend. Nach einem Telefonat mit meiner Ansprechpartnerin Nadine Kuklau war ich dann vollends Feuer und Flamme. Nadine und ihr Team kommen aus der Hospiz- und Palliativarbeit. Daher wissen sie, dass es eine große Scheu gibt, sterbende Angehörige zu begleiten, da einfach großes Unwissen herrscht und in unserer Gesellschaft der Tod ein generell schwieriges Thema ist. Aus diesem Wissen heraus sind die »Letzte Hilfe Kurse« geboren, die in kurzer Zeit handwerkliche Fähigkeiten vermitteln, wie man Sterbende betreuen kann. Eben so wie in Erste Hilfe Kursen kompakt vermittelt wird, wie man schnell helfen kann.

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Das Team der Letzten Hilfe Kurse war Teilnehmer des StartSocial Wettbewerbs, bei dem es Gelder zu gewinnen gab, die sie dringend benötigt hätten. Dafür war eine gute Außendarstellung unglaublich wichtig, sie sollte würdevoll und professionell aussehen und dieses wenig ansprechende Thema »Sterben« grafisch sensibel aufbereiten und da kam ich ins Spiel. Ich gestaltete Logo und Corporate Design, später auch Präsentations-Vorlagen und Plakate. Sie kamen zumindest in die Endrunde des Wettbewerbs und wurden im Kanzleramt von der Kanzlerin persönlich empfangen. Gewonnen haben dann andere Projekte, wahrscheinlich ist das Thema »Tod« in der Außenwirkung für die Preisgeldgeber dann doch nicht attraktiv genug.

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Ich hätte es vorher nicht für möglich gehalten wie sehr mich dieses Projekt mitreißen würde und wie viel Freude und Energie ich selbst daraus ziehen könnte. Das Team war als Auftraggeber wahnsinnig dankbar und glücklich mit dem Ergebnis, das sie selbst nicht hätten stemmen können. Ich konnte ehrenamtlich arbeiten, mich kreativ austoben und mein Portfolio aufstocken, eine klassische Win-Win-Situation. Danach habe ich noch weitere Projekte betreut, die ich vielleicht später mal ausführlicher vorstelle.

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Wenn ihr also auch eine Möglichkeit sucht, euch zu engagieren mit dem was ihr eben könnt: Gestalten, dann ist youvo.org genau die richtige Anlaufstelle. Das Team dahinter zu dem inzwischen auch Tobias (Hi!), Anne, Simon, Timon und Marlon gehören ist wahnsinnig engagiert in dem was sie tun und bringen selbst sehr viel Energie und Zeit in die Projekte. Florian Pfeffer sagte in einem Interview in der Page neulich, dass sich die Rolle des Designers deutlich verändern muss und ich sehe mit Freude, dass dem so ist, an Projekten wie youvo, workeer, Flüchtlinge Willkommen, Cucula usw. Vielleicht ist das eine Zeitgeist-Erscheinung, die auf Empathie aufbaut und auf dem Wissen um die Tragweite von Gestaltung. Es ist in jedem Fall eine tolle Entwicklung.

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Macht mit! youvo.org