Hi, I'm Nadine.

I am a visual designer &
illustrator, design writer and co-founder living in Berlin.

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Hangbird

20. Jun 2016

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Ab und an gibt es diese Projekte, die eine tolle Idee als Grundlage haben und etwas Starhilfe zur Umsetzung brauchen. Zum Glück gibt es ja Kickstarter. Das könnte auch Hangbird zur Serienreife verhelfen.

Hangbird nimmt sich eines banalen aber vermutlich weit verbreiten Problems an, das jeder kennen dürfte, der in einer kleinen Wohnung versucht seine Wäsche zu trocken: Wohin mit dem Wäschetrockner. Zusammen gefaltet nimmt er kaum Platz weg, ausgeklappt aber braucht er schon etwas Raum und wenn man wie ich phasenweise die Wäsche direkt von der Leine trägt, steht er eigentlich immer irgendwie da und stört.

Ähnlich ging es den Machern von Hangbird, die vor den gleichen Problemen standen. Die Antwort war eine sehr simple physikalische Lösung: Wäscheleine + Flaschenzug = Wäscheständer aus dem Weg, da nach oben verfrachtet. Die Wäsche wird somit an die Decke verfrachtet und man hat automatisch ein bis zwei Quadratmeter mehr Wohnfläche. Das ist aber nicht der einzige Vorteil. Abgesehen von dem Wäschetrockner, den er ersetzt und somit die Umwelt schont, trocknet die Wäsche so auch schneller, da wärmere Luft nach oben steigt.

Platz genug gibt es auch, denn der Rahmen bietet bis zu 22 m Leine und kann somit drei Wäscheladungen aufnehmen, das dürfte also auch für Familien interessant sein.

Gefertigt und produziert wird er in Deutschland, wichtig ist den Machern eine soziale Produktion. Gefertigt wird in Werkstätten mit behinderten Menschen und engem Austausch zwischen Produzenten und Kunden. Es wird transparent welches Team welches Hangbird hergestellt hat und das ist explizit so gewünscht.

Individuell ist er darüber hinaus auch: 6 Rahmengrößen, 2 Holzoberflächen, mindestens 5 Seilfarben, jeder kann sich sein Hangbird so gestalten wie er möchte.

Damit die Produktion auch starten kann, muss noch fleißig gekickstartered werden. Alles dazu und weitere Infos zur Funktionsweise findet ihr auf der Kampagnenseite.

https://www.kickstarter.com/hangbird

https://hangbird.net/

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Gesellschaftsbilder

13. Jun 2016

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Copyright: Andi Weiland | Gesellschaftsbilder.de

Mit Bilddatenbanken verbindet mich eine kleine Hassliebe. Natürlich kommt man als Designer kaum daran vorbei und ich bin eigentlich auch froh, wie bequem das Handling heutzutage ist. Als ich meine Ausbildung Ende der 90er begann war es eine beliebte Azubi-Aufgabe aus gedruckten (!) Katalogen von Bilddatendatenbanken Bilder einzuspannen, um diese dann in Layouts einzusetzen. Vom komplizierten Lizenzhandling mal ganz abgesehen (häufig mussten die recht teuren Lizenzen jährlich erneuert werden, allerdings war es gar nicht mal so selten, dass die verantwortlichen Mitarbeiter dann nicht mehr im Unternehmen waren … New Economy Boom halt).

Inzwischen gibt es viele Datenbanken mit sehr durchwachsener Qualität. Denn die typischen Stockbilder mit ihrem höchst eigenen Charme sind nach wie vor fester Bestandteil (Ich habe jüngst zum Beispiel feststellen müssen, dass unbändige Freude und Headsets eng miteinander verbunden sein müssen, wenn man dem Bildmaterial glaubt).

An ganz besondere Grenzen stoßen sie aber dann wenn es um Bilder geht, die fernab bekannter Klischees sein sollen und – im Falle von Behinderungen – nicht den Fokus auf Mitleid setzen. Das ist vor allem im journalistischen Bereich ein Problem, denn man kann sich noch so viel Mühe geben, die richtige Wortwohl zu treffen, wenn das Bildmaterial dazu fehlt, wird die Sache nicht rund.

Ein neues Projekt der Sozialhelden, die mit Leidmedien schon ein ähnliches Projekt für Sprache gestartet haben, will diese Lücke nun schließen: Gesellschaftsbilder – ein Fotodatenbank, die neue Perspektiven auf die Gesellschaft zeigt. Dort sind Bilder für die redaktionelle Arbeit von Journalisten, Medienmachern und Bloggern zu finden, die Bilder jenseits von Klischees suchen. Themen dort sind z.B. Familie und Inklusion, Behinderungen, Mobilität, Alltag und Gesellschaft usw.

Die Bilddatenbank ist mit 300 Bildern noch recht überschaubar, deswegen freuen sich die Macher sehr über passende Fotospenden oder Unterstützung jeglicher Art. Es geht dabei nicht nur um Behinderungen, sondern durchaus auch um Themen wie z.B. Regenbogenfamilien. Also alles was Gesellschaft heute ist, nur eben noch nicht in Stockfotos abgebildet wird.

Also Fotografen: Her mit euren Fotos!

http://gesellschaftsbilder.de/

A Fan Shop – Soccer Apparel designed by refugee children

14. Jan 2016

Ich habe hier im Blog bereits an einigen Stellen von kreativen Projekten im Rahmen der Flüchtlingsarbeit berichtet (z.B. hier und hier) und es ist schön zu sehen, dass die Projektideen nicht weniger werden. Hier ist ein weiteres Projekt, das sich dort einreiht.

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Timm Hartmann – Student der Visuellen Kommunikation an der Universität der Künste in Berlin – suchte wie viele im letzten Sommer nach einer Möglichkeit ein soziales Projekt nachhaltig zu unterstützen. Dabei begegnete er dem Fußballverein „Champions ohne Grenzen e.V.“, die in Berlin/Brandenburg mehrere Flüchtlingsheime betreuen und zum großen Teil ehrenamtlich unterstützen. Der Verein setzt sich für die Integration von Geflüchteten ein, viele davon Kinder und Jugendliche. Ein Fokus liegt darauf auf dem Sport, besonders dem Fußball.

Damals wurden dringend Trikots benötigt und natürlich hätte man die Trikots auch einfach gestalten und weiter reichen können. Aber Hartmann sah darin eine Möglichkeit, die Kinder noch viel besser mit einzuziehen und sich kreativ auszutoben. So würde jedes Trikot eine persönliche Geschichte abbilden und die Herkunft und den Charakter der Spieler mit aufnehmen. Die Kinder haben bis dahin viele Veränderungen durchleben müssen und tun sich teilweise sehr schwer in ihrer Identitätsfindung. Die Workshops sollten helfen sich besser einordnen zu können.

Als Ergebnis entstand so eine ganz persönliche und authentische Trikotserie, die nächste Woche Mittwoch an die Kinder übergeben werden. Denn auch das ist ein Bestandteil des Projektes: Den Kindern zeigen, wie man kreativ arbeitet und wie man seine Arbeitsergebnisse präsentiert. Als Resultat daraus gibt es auch einen Fanshop, der nächste Woche eröffnet wird. Es werden Aufnäher, Aufkleber, Plakate, Original Arbeiten und natürlich die Trikots der Kinder in limitierter Stückzahl ausgestellt und verkauft. Der Erlös aus den Verkäufen geht direkt zurück in den Verein, um die Arbeit weiterhin zu unterstützen. Die Trikots können auch online gekauft werden.

Eine originale Kollektion von Fußballtrikots, gestaltet von Hamed, Omid, Mohamed, Kavian und ihren Teamkollegen, ist vom 20. bis 22. Januar erhältlich, wenn sich die Kunstgalerie Kreuzberg Pavillon in einen Fanshop verwandelt, um für einen guten Zweck aktiv zu werden. Denn der gesamte Erlös der Serie wird dem Verein „Champions ohne Grenzen e.V.“ zugute kommen, in dem die Flüchtlingskinder trainiert und gefördert werden.

Das Projekt ist in Zusammenarbeit mit der Universität der Künste Berlin im Rahmen der Masterarbeit von Timm Hartmann in der Klasse für visuelle Kommunikation von Prof. Fons Hickmann entstanden.

Vernissage: 20.01., 18 Uhr
Finissage: 22.01., 20 Uhr
Laufzeit: 21.01. – 22.01.2016
Öffnungszeiten: 12 – 20 Uhr
Kunstgalerie Kreuzberg Pavillon

http://www.afanshop.de/

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Woollaa

06. Jan 2016

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Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle das Buch »To Do: Die neue Rolle der Gestaltung in einer veränderten Welt« von Florian Pfeffer vorgestellt. Er beschreibt darin, welche Möglichkeiten Designer in ihrem Berufsfeld in Zukunft haben und ruft dazu auf, den Designerberuf zu hinterfragen. Ich empfehle es dringend für jedes Design-Büro Buchregal.

Dass Pfeffer nicht nur über die Zukunft philosophiert, sondern das was er beschreibt auch macht, beweist sein neuestes Projekt: Woollaa. Woollaa.com ist eine industrielle Strickmaschine, die an das Internet angeschlossen ist. Mit Hilfe von speziell gestalteten Editionen kann damit jeder direkt und in Echtzeit in den Entstehungsprozess von Mode und Home Accessories eingreifen und sein persönliches Einzelstück erstellen. Woollaa ist das Gegenstück zu Fast Fashion – T-Shirt für drei Euro, die man mal eben mitnimmt. Das Team hinter Woollaa möchte, dass der Käufer sich mit dem Produkt das er kauft auseinandersetzt. Was Woollaa mit Pfeffers Buch zu tun hat und wohin das Projekt gehen soll, hat er mir in einem Interview erzählt.

Ist Woollaa eine direkte Folge auf »To Do: Die neue Rolle der Gestaltung in einer veränderten Welt«?

In gewisser Weise ja.
Obwohl man damit ein bisschen vorsichtig sein muss – denn „To Do“ propagiert ja keine eindeutigen Antworten und so ist dieses StartUp nur eine von vielen möglichen Konsequenzen.

Aber im Prinzip ist die Idee eine Folge von vielen Überlegungen, die die Grundlage für das Buch gebildet haben.

Das sind die vier wichtigsten:

1. Neue Geschäftsmodelle

In „To Do“ dreht sich vieles um neue Terrains und neue Geschäftsmodelle für Designer, z.B. Was können wir mit dem, was wir gut können, noch alles tun?).

Für uns stand vor drei Jahren die Frage im Raum, wie wir Alternativen zu dem klassischen Dienstleistungsmodell eines Designbüros entwickeln können – ohne das aufgeben zu müssen, was wir gut können. Anstatt auf ein Projekt zu warten, dessen Rahmen von außen definiert ist, wollten wir einen eigenen Rahmen erfinden, der es uns erlaubt, die gesamte Wertschöpfungskette von Design selber zu gestalten und zu beherrschen.

Während bei one/one (wie bei jedem anderen Designbüro auch) nach dem Abschluss eines Projektes ein neues Projekt kommt, sind wir bei Woollaa nicht mehr nur Konzeptioner und Gestalter, sondern gleichzeitig Produzenten und Vermarkter von Design. Wir haben uns gefragt: Wenn Design tatsächlich so viel Mehrwert produziert, wie wir immer behaupten … warum sollen dann nur andere davon profitieren und diesen Mehrwert schöpfen?

[Im Buch: 061 Geschäftsmodelle / 062 Realität gestalten – Design jenseits der Serviceindustrie]

2. Neue Technologien / Vernetzung

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Außerdem geht es um neue Technologien (auch das ist ja ein großes Thema aus »To Do« – Globalisierung und Vernetzung).

Unsere Software macht aus einer Strickmaschine einen 3D-Drucker für Textilien.
Aktuell sind wir in einer Beta-Phase. Aber in der nahen Zukunft könnten wir beispielsweise durch das Netz eine Strickmaschine in den USA ansteuern und so den Entwurf eines französischen Designers als Einzelstück anfertigen lassen, der von einem Kunden in New York personalisiert worden ist. Wir können Einzelstücke zum Preis eines Serienproduktes herstellen und Lieferwege abkürzen. Wir haben kein Lager, weil alles nur »on demand« im Moment einer Bestellung produziert wird.

Am wichtigsten dabei ist aber die Tatsache, dass Kunden und Designer Zugang zu den Produktionsmitteln haben und sich so der Charakter eines Produktes verändert. Was vorher festgefügt war, wird flüssig – Form, Inhalt, Material, Produktion …

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3. Open Design

Woollaa ist eine Plattform bei der Endverbraucher (ein schreckliches Wort) und Designer in den Produktions- und Designprozess eingreifen können.

In einem nächsten Schritt können wir unsere API jedem Designer und jedem Unternehmen zur Verfügung stellen, die unsere Technologie gerne nutzen wollen. Die Möglichkeiten für Kooperationen sind dabei fast unendlich. Es sind Projekte und Kollaborationen mit Kunst und Musik vorstellbar, Marketingaktionen für Unternehmen etc. etc.

Es ist ja kein Geheimnis, dass heute jeder irgendwie ein Designer ist (oder sein kann). Wie aber kann man dieses neue Verhältnis von Designern und Kunden produktiv machen?

Mit Woollaa bringen wir Designer, Illustratoren, kreative Coder und Nutzer zusammen.Jedes Produkt wird von dem Nutzer geformt – den Rahmen dazu bieten Designer und wir kuratieren bzw. ermöglichen das alles (Shop, UX, Marke, API etc.).

Am 7.1. startet unsere nächste Edition als Kooperation mit 16 internationalen Designern (z.B. Peter Bilak, Hort oder Zipeng Zhu aus New York). Die Möglichkeiten in das Design einzugreifen sind hier zwar noch etwas eingeschränkt – aber uns geht es im Moment darum, zu experimentieren. Wieviel wollen User überhaupt selber machen? Wie können Nuzter Produkte mir ihrer/n eigenen Geschichte(n) verknüpfen?

[Im Buch 001: Offenheit – da wird die Initiative „Open Structures“ beschrieben. Ein Design-System mit dem viele Designer gleichzeitig an vielen Projekten arbeiten können, indem sie die Ressourcen teilen. Bei Woollaa werden die Nutzer mit einbezogen. Was bei OS das Raster ist, ist bei uns die API und die Nutzeroberfläche des Konfigurators …]

4. Slow Fashion und Transparenz

Das eigentlich »offene« an dem Designprozess von Woollaa ist aber die Transparenz.

Wir alle kaufen ja heute Produkte, von denen wir nicht mehr wissen, wie sie zustande gekommen sind und ob wir mit diesen Bedingungen einverstanden sein können.

Wir wollen den kompletten Produktionsprozess von Knitware transparent machen. Designer, Illustratoren und Coder bauen einen Rahmen. Der Nutzer kann das Produkt innerhalb des Rahmens an seine Wünsche anpassen und eigene Geschichten hinzufügen. Die Strickmaschine steht in Deutschland. Dementsprechend kurz sind die Lieferwege und es gibt keine undurchsichtigen Arbeitsbedingungen.

Aktuell arbeiten wir noch an dem Material (woher kommt das Garn und was ist überhaupt das ökologisch sinnvollste Material)? Es ist nämlich nicht so, dass reine Baum- oder Schurwolle am sinnvollsten sind. Unter bestimmten Bedingungen sind Kunstfasern besser, es gibt recycelte Wolle (die aber schwer mit einer Maschine zu verarbeiten ist) etc. Das ist ein komplexes Thema und da brauchen wir aktuell noch etwas Zeit, um das so zu lösen, wie wir das gerne hätten.

Wir wollen so ein Gegenmodell zu dem Modell von »Fast-Fashion« aufbauen.

Der Aspekt der Personalisierung spielt dabei eine wichtige Rolle. Denn Menschen messen Dingen, die sie selber gemacht oder selber zusammengebaut haben, einen höheren Wert bei. Wir produzieren nur Dinge, die tatsächlich jemand will und die länger halten, weil sie »geliebt« werden.

[Im Buch: 018 Dunkle Materie / Transparenz]

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Was habt ihr in Zukunft mit Woollaa noch vor?

Woollaa ist viel mehr als einfach nur eine Website, auf der man sich selber einen Schal gestalten kann.

Im März bringen wir zwei neue Produkte und Editionen heraus: Kissen und Babydecken.
Dazu entwickeln wir gerade eine Art »Drag & Drop« Illustrations-Maschine und einen »Mustermaker«. Also eine Oberfläche, mit der man eigene Illustrationen kombinieren und collagieren kann bzw. abstrakte Muster generieren kann.

Der große Rahmen aber ist, dass wir in den kommenden Jahren Woollaa zu einer internationalen Plattform für »Open Textile Design« ausbauen wollen – mit all den Facetten und Aspekten wie oben beschrieben. Wir haben also noch eine ganze Menge vor, vor allen Dingen was Kooperationen mit Nutzern, Designern und Unternehmen sowie die Weiterentwicklung unserer API betrifft. Wir wollen außerdem so fair wie möglich produzieren (und immer offen darüber sein, wie gut uns das gelingt).

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woollaa.com

→ Das Buch To Do: Die neue Rolle der Gestaltung in einer veränderten Welt

Making of: Sketchnote Love + Verlosung

30. Jul 2015

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Vor ein paar Jahren lief ich auf der TYPO in Berlin Eva Lotta Lamm über den Weg. Sie hatte ein kleines Heftchen dabei, in der sie die Talks, die sie besuchte festhielt. Allerdings nicht mit „normalen“ Notizen – sprich: in Form von Text auf Papier schreiben – sondern visuell. Sie zeichnete quasi was sie hörte und das auf sehr charmante Weise. Ich war Feuer und Flamme und fing an das Gleiche zu machen. Anfangs etwas ungelenk aber nach und nach wurde es besser und inzwischen habe ich mehrere Hefte voller eben solcher Sketchnotes.

In der Tat kann ich mir Konferenzbesuche ohne Sketchnotes nicht mehr vorstellen. Ihre Entdeckung waren eine kleine Erhellung für mich, denn ab da begann ich mir Inhalte von Talks viel besser einzuprägen. Ich blieb während der Vorträge „wacher“ und aufmerksamer und freute mich am Ende, wenn wieder eine Seite gefüllt war, die den Inhalt des Gesagten auf einen Blick wieder gab.

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Foto: Norman Posselt mit freundlicher Genehmigung von Monotype/Fontshop.

Vor ein paar Wochen kam mir dann in den Sinn, dass alles irgendwie zusammen zu fassen und zwar anders, als sie nur hier und da über Twitter und Instagram zu posten. Dort hatte ich bisweilen tolles Feedback bekommen, auch wenn ich glaube, dass meine Sketchnotes wirklich nur mir inhaltlich etwas sagen. Aber darum geht es beim Sketchnoten ja. Außerdem hatte ich lange kein eigenes Projekt nur für mich mehr gemacht und Side-Projects haben eine unglaubliche Energie, die ich nun endlich mal wieder ausleben konnte.

Ich schaute also ob die Domain sketchnote-love.com noch frei war. Yeah, war sie. Ich hatte bis dahin selten Glück mit .com Domains und nahm das als Zeichen irgend etwas daraus zu machen.

Nur was?
Typisch Designer: Ich fing erstmal mit einem Logo an. Denn das macht a) großen Spaß und b) an irgend einer Stelle würde ich es schon brauchen. Und selten ist die Idee für ein Logo so klar wie in diesem Fall: Ich hatte sofort diese Herzen, die man als Tätowierungen kennt vor Augen, nur eben statt des Pfeiles einen Stift. Wie genau ich das zusammenbringen und die visuelle Anmutung von Sketchnotes mit einbringen könnte, war mir dann leider nicht genau so schnell klar. Aber Design ist immer ein Prozess, normalerweise in Austausch mit dem Kunden, der dieses Mal aber ich selbst war und ich bin kein einfacher Kunde ;). Nach einigem Hin und Her kam ich aber an einen Punkt mit dem Ergebnis höchst zufrieden zu sein.

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Nun, da ich ein Logo hatte, ging es also an die Seite selbst. Ich hatte zunächst eigentlich nur vor, meine Sketchnotes dort zu zeigen, merkte aber schnell, dass das vielleicht etwas langweilig ist und man vielleicht noch mehr daraus machen könnte. Da fiel mir ein, dass ich oft gefragt werde, wie ich das mit den Sketchnotes denn eigentlich mache: Worauf ich achte, wie ich sie aufbaue usw. Und so entstand ein Mini-Tutorial (wirklich nur Mini), das die Basics für Einsteiger und Interessierte erklärte. Und wo ich doch schon mal den Logo-Prozess so schön dokumentiert habe, fand diese Geschichte auch seinen Platz. Außerdem liebe ich Design-Prozesse und Einblicke in andere Skizzenbücher und Arbeitsweisen.

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Ich trage mich darüber hinaus schon länger mit dem Gedanken Workshops zu geben und es gab in der Tat einige Nachfragen. Sobald ich mal etwas Zeit habe, mich damit inhaltlich näher zu befassen, gehe ich dieses Thema mal an und dann gibt es hier mehr Infos dazu, versprochen.

Zum Sketchnoten gehört auch das richtige Handwerk. Dafür habe ich eine ganze Weile rum probiert, denn Fineliner ist nicht gleich Fineliner und Marker nicht gleich Marker. Inzwischen habe ich da für mich den richtigen Weg gefunden, ich arbeite viel mit den FineOnes von Neuland – generell die perfekte Adresse für Materialien rund ums Sketchnoten und darüber hinaus auch noch unglaublich nett. Neuland hat mir nämlich ein paar Utensilien zur Verfügung gestellt, die ich euch verlosen darf! Mit dabei sind besagte FineOnes, Finliner, ein Notizbuch und das Einsteigerbuch zum Thema von Mike Rohde: Das Sketchnote Handbuch, das ich generell wärmstens empfehlen kann. Ihr müsst das alles gar nicht kaufen, denn ich verlose hier drei Sketchnote Love Beginner-Pakete. Stilecht mit Temporary Tattoos zur Liebes-Bekundung.

Website: sketchnote-love.com

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Verlosung: Wenn ihr eines der Pakete gewinnen wollt, hinterlasst dafür hier bis zum 6.8. einen Kommentar und erzählt mir warum ihr Sketchnotes liebt oder lieben lernen wollt.

There is an English version of the post here.

Random.org hat gesprochen! Gewonnen haben: Marcel H., Ina und Patricia. Viel Spaß und Happy Sketching!

Workeer – Jobbörse für Geflüchtete

29. Jul 2015

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Diese Woche tauchten in meiner Twitter-Timeline jede Menge Tweets über die Bachelor-Präsentationen an meiner alten Hochschule – der HTW Berlin – auf. Einer dieser Tweets war die Präsentation von Philipp Kühn und David Jacob, die eine Job-Plattform für Flüchtlinge vorstellten: workeer. Jeder, der die aktuelle Nachrichtenlage verfolgt, weiß um die aktuelle Flüchlings-Thematik und selten, sehr selten, sind diese Nachrichten positiv. Hin und wieder gibt es aber Hoffnungsschimmer von Projekten, die sich Flüchtlingen widmen, ich denke da an Cucula, Flüchtlinge Willkommen oder auch kleinere Sachen wie Wolkenschlösser (die ich selbst auch unterstützt habe, dazu später mehr).

Zu diesen Hoffnungsschimmern zähle ich workeer, die erste Jobbörse für Geflüchtete und Arbeitgeber, die ihnen Chancen eröffnen wollen. Denn genau an diesen mangelt es Geflüchteten meistens. Dass das Projekt von Design-Studenten gemacht wurde, zeigt einmal mehr, dass Designer sich auch als – sagen wir einfach mal polemisch – Weltverbesserer verstehen und ihre Fähigkeiten auch dahin gehend einsetzen. Dass die Seite natürlich gut aussieht, versteht sich daher von selbst. Ich habe die beiden Studenten zu einem kleinen Interview gebeten.

Was ist de Idee hinter workeer?

David & Philipp: Mit workeer wollen wir Geflüchteten in Deutschland die Chance eröffnen, Arbeit zu finden und dadurch hier wieder auf eigenen Beinen stehen zu können. Wir wollen ihnen die Arbeitssuche möglichst stark vereinfachen. Durch unseren klaren Fokus erreichen wir, dass nur Arbeitgeber Jobs inserieren, die gewillt sind, sich der Aufgaben und Herausforderungen anzunehmen, die mit der Beschäftigung von Geflüchteten einhergehen. Auch für Arbeitgeber wollen wir es ermöglichen, auf Menschen zuzugehen, die bisher im Arbeitskontext sehr häufig unsichtbar für sie bleiben. Im Handwerk oder der Informatik beispielsweise suchen viele Unternehmen händeringend nach Auszubildenden oder Arbeitskräften. Genau diese Menschen kommen als Flüchtlinge nach Deutschland und wollen hier unbedingt arbeiten. Wir wollen beide Seiten zusammenbringen.

Ein häufiges Problem für Flüchtlinge, die hier Fuß fassen wollen, ist die Tatsache, dass sie – so lange ihr Status unklar ist – noch gar nicht arbeiten dürfen. Ist workeer für diese Zielgruppe auch interessant?

David & Philipp: Wir denken ja. Die Regelungen sind ja sehr facettenreich. Auch während des Asylverfahrens oder mit einer Duldung können Geflüchtete zum Beispiel eine Ausbildung beginnen oder durch ein Praktikum Arbeitserfahrung sammeln, ihre Deutschkenntnisse verbessern und Kontakte in der Arbeitswelt knüpfen. Mit workeer bieten wir dadurch hoffentlich möglichst vielen eine Chance hier Fuß zu fassen.

Auf welche Probleme stellt ihr euch ein?

David & Philipp: Ein paar Gedanken haben wir uns im Vornherein natürlich gemacht, was schiefgehen könnte. Rechte Spinner könnten versuchen unsere Plattform mit rechtsradikalem Gedankengut voll zu spammen, darauf müssten wir dann schnell reagieren. Ein anderes Problem wäre es, wenn Jobinserate vermehrt in eine ausbeuterische Richtung gehen und wir befürchten müssten, dass dadurch Geflüchtete in prekäre Arbeitsverhältnisse geraten. Und so gibt es verschiedene Dinge, die wir im Auge behalten werden. Im Endeffekt müssen wir in den kommenden Tagen und Wochen einfach beobachten, wie sich alles entwickelt und gegebenenfalls auf solche Probleme reagieren.

Die Seite ist erst seit kurzem live, wie ist das Feedback bisher?

David & Philipp: Die Resonanz ist bisher absolut überwältigend. Wir hatten nicht mit solch einer Welle an Aufmerksamkeit gerechnet. Wir sehen die Jobbörse aktuell noch in einer Betaphase, in der wir vieles verbessern und testen wollen, da uns bewusst ist, dass bei Weitem noch nicht alles perfekt ist. Trotzdem freut es uns natürlich, einen Nerv getroffen zu haben und soviel Positives und Ermutigendes zu hören. Besonders spannend ist es, jetzt die ersten Jobinserate und Bewerberprofile zu sehen, die erstellt werden und damit zu erleben, wie unsere Idee lebendig wird.

Warum glaubt ihr, dass sich auch oder vielleicht auch besonders Designer solchen Themen annehmen?

David & Philipp: Als Kommunikationsdesigner sehen wir solche Arten von Projekten eigentlich als perfektes Beispiel für unsere Tätigkeit. Wir erkennen eine Problematik, analysieren sie und versuchen dann eine passende konzeptionelle und gestalterische Lösung dafür zu entwickeln. Man hört es ja häufig, dass Designer Problemlöser sind und das trifft es unserer Meinung ganz gut. Unser Projekt zeigt das ganz gut, glauben wir.

Mehr dazu: workeer