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Workeer – Jobbörse für Geflüchtete

29. Jul 2015

workeer

Diese Woche tauchten in meiner Twitter-Timeline jede Menge Tweets über die Bachelor-Präsentationen an meiner alten Hochschule – der HTW Berlin – auf. Einer dieser Tweets war die Präsentation von Philipp Kühn und David Jacob, die eine Job-Plattform für Flüchtlinge vorstellten: workeer. Jeder, der die aktuelle Nachrichtenlage verfolgt, weiß um die aktuelle Flüchlings-Thematik und selten, sehr selten, sind diese Nachrichten positiv. Hin und wieder gibt es aber Hoffnungsschimmer von Projekten, die sich Flüchtlingen widmen, ich denke da an Cucula, Flüchtlinge Willkommen oder auch kleinere Sachen wie Wolkenschlösser (die ich selbst auch unterstützt habe, dazu später mehr).

Zu diesen Hoffnungsschimmern zähle ich workeer, die erste Jobbörse für Geflüchtete und Arbeitgeber, die ihnen Chancen eröffnen wollen. Denn genau an diesen mangelt es Geflüchteten meistens. Dass das Projekt von Design-Studenten gemacht wurde, zeigt einmal mehr, dass Designer sich auch als – sagen wir einfach mal polemisch – Weltverbesserer verstehen und ihre Fähigkeiten auch dahin gehend einsetzen. Dass die Seite natürlich gut aussieht, versteht sich daher von selbst. Ich habe die beiden Studenten zu einem kleinen Interview gebeten.

Was ist de Idee hinter workeer?

David & Philipp: Mit workeer wollen wir Geflüchteten in Deutschland die Chance eröffnen, Arbeit zu finden und dadurch hier wieder auf eigenen Beinen stehen zu können. Wir wollen ihnen die Arbeitssuche möglichst stark vereinfachen. Durch unseren klaren Fokus erreichen wir, dass nur Arbeitgeber Jobs inserieren, die gewillt sind, sich der Aufgaben und Herausforderungen anzunehmen, die mit der Beschäftigung von Geflüchteten einhergehen. Auch für Arbeitgeber wollen wir es ermöglichen, auf Menschen zuzugehen, die bisher im Arbeitskontext sehr häufig unsichtbar für sie bleiben. Im Handwerk oder der Informatik beispielsweise suchen viele Unternehmen händeringend nach Auszubildenden oder Arbeitskräften. Genau diese Menschen kommen als Flüchtlinge nach Deutschland und wollen hier unbedingt arbeiten. Wir wollen beide Seiten zusammenbringen.

Ein häufiges Problem für Flüchtlinge, die hier Fuß fassen wollen, ist die Tatsache, dass sie – so lange ihr Status unklar ist – noch gar nicht arbeiten dürfen. Ist workeer für diese Zielgruppe auch interessant?

David & Philipp: Wir denken ja. Die Regelungen sind ja sehr facettenreich. Auch während des Asylverfahrens oder mit einer Duldung können Geflüchtete zum Beispiel eine Ausbildung beginnen oder durch ein Praktikum Arbeitserfahrung sammeln, ihre Deutschkenntnisse verbessern und Kontakte in der Arbeitswelt knüpfen. Mit workeer bieten wir dadurch hoffentlich möglichst vielen eine Chance hier Fuß zu fassen.

Auf welche Probleme stellt ihr euch ein?

David & Philipp: Ein paar Gedanken haben wir uns im Vornherein natürlich gemacht, was schiefgehen könnte. Rechte Spinner könnten versuchen unsere Plattform mit rechtsradikalem Gedankengut voll zu spammen, darauf müssten wir dann schnell reagieren. Ein anderes Problem wäre es, wenn Jobinserate vermehrt in eine ausbeuterische Richtung gehen und wir befürchten müssten, dass dadurch Geflüchtete in prekäre Arbeitsverhältnisse geraten. Und so gibt es verschiedene Dinge, die wir im Auge behalten werden. Im Endeffekt müssen wir in den kommenden Tagen und Wochen einfach beobachten, wie sich alles entwickelt und gegebenenfalls auf solche Probleme reagieren.

Die Seite ist erst seit kurzem live, wie ist das Feedback bisher?

David & Philipp: Die Resonanz ist bisher absolut überwältigend. Wir hatten nicht mit solch einer Welle an Aufmerksamkeit gerechnet. Wir sehen die Jobbörse aktuell noch in einer Betaphase, in der wir vieles verbessern und testen wollen, da uns bewusst ist, dass bei Weitem noch nicht alles perfekt ist. Trotzdem freut es uns natürlich, einen Nerv getroffen zu haben und soviel Positives und Ermutigendes zu hören. Besonders spannend ist es, jetzt die ersten Jobinserate und Bewerberprofile zu sehen, die erstellt werden und damit zu erleben, wie unsere Idee lebendig wird.

Warum glaubt ihr, dass sich auch oder vielleicht auch besonders Designer solchen Themen annehmen?

David & Philipp: Als Kommunikationsdesigner sehen wir solche Arten von Projekten eigentlich als perfektes Beispiel für unsere Tätigkeit. Wir erkennen eine Problematik, analysieren sie und versuchen dann eine passende konzeptionelle und gestalterische Lösung dafür zu entwickeln. Man hört es ja häufig, dass Designer Problemlöser sind und das trifft es unserer Meinung ganz gut. Unser Projekt zeigt das ganz gut, glauben wir.

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